Was Ihnen unser Service leichter macht, beschert anderen eine Menge Arbeit. So sahen sich die zwei Gründer useres Sortierpartners Packesels in Lachen gezwungen, eine Dimension grösser zu denken. Mit der alten Sortieranlage liess sich die täglich wachsende Menge an Mr. Green Bags schlicht nicht mehr bewältigen. 

Während mit der früheren Sortiertechnik die Wertstoffe noch einzeln bewegt und sortiert werden mussten, sollte mit der neuen Anlage alles anders werden: Nicht mehr die Sortierer*innen sollten sich bewegen müssen, sondern das Sortiergut selbst. Nach vergeblicher Suche stellten die zwei Betreiber Ivo Lendi und Paolo Marchionna fest, dass es solche Sortiersysteme nicht zu kaufen gab und sie eine solche Anlage wohl selbst erfinden und bauen mussten.



Bei unserem Besuch betreten wir die riesige Halle, in der sich am Eingang gepresste Ballen von Alu- und Kartonquadern stapeln. Im Inneren erblicken wir vertraute grüne Säcke und hinter hohen Holzwänden sind Musik und Geräusche einer Förderanlage zu hören – hier sind wir richtig. Da schreitet uns auch schon Paolo Marchionna entgegen und begrüsst uns mit in Handschuh gehüllter Faust.

Weil die zwei Vorarbeiter in den Ferien sind, muss er heute mehr anpacken als sonst. Paolo und sein Geschäftspartner Ivo betreiben die Sortieranlage des Packesels neben ihren selbständigen Tätigkeiten als Personalberater und Schreiner. Anders könnte das auch gar nicht gehen, berichtet Paolo. Denn die Ausführung des Sortierauftrags schaffe in erster Linie Teilzeitarbeitsplätze und Arbeitsmöglichkeiten für Arbeitnehmer*innen der Stiftung BSZ, werfe jedoch noch zu wenig ab für die Gründer, um davon zu leben. Doch das sei auch gar nicht so wichtig, meint Paolo. Er möge die Abwechslung zu seiner Tätigkeit als Personalberater und wolle die bunte Truppe, die für ihn sortiert, nicht missen. Da ruft auch schon einer, Paolo müsse die vollen Sammelbehälter leeren und geniesst es, für einmal den Chef kommandieren zu dürfen. 

Eine Pionieranlage

Das grosse Novum der Anlage sind die Förderbänder. Alles fängt mit einem gigantischen, von den Fahrern abgeladenen Haufen unzähliger Mr. Green Bags an. Davon werden eine handvoll in einen Einkaufswagen geladen und zum Förderband bugsiert. Dort werden sie aufgeschnitten und möglichst gleichmässig auf das Förderband verteilt, die Bags werden für die Statistik gezählt und bereits zu Beginn separat gesammelt.



Auf dem Band gelangen die Wertstoffe einen Stock höher, wo sie im Viereck angeordnet, hoch oben auf einem Podest eine Runde drehen. Rund um das Viereck stehen die Sortierer*innen, picken die Wertstoffe heraus und werfen sie in die, in der Mitte befindlichen Behälter. Jede Person deckt etwa ein bis zwei Wertstoffe ab, die sie mit geübtem Auge erkennen, blitzschnell herauspicken und präzise in die Behälter werfen. Jede*r hat ihr eigenes Spezialgebiet und arbeitet daher meist an ihrer Stammposition.



Besonders praktisch ist die Platzierung der Behälter im Zentrum der Anlage. So können sie gleich palettweise aus der Anlage gefahren werden und dem Recyclingunternehmen Steinauer, in dessen Halle die Anlage steht, übergeben werden. Paolo sieht, kaum ist die Anlage einige Monate in Betrieb, bereits wieder Verbesserungspotential. Doch grundsätzlich sei er zufrieden, sagt er mit einem Schmunzeln.

Kein leichter Job

Biegt man hinter dem Haufen ungeöffneter Bags um die Ecke, muss sich die Nase an das Gemisch starker Gerüche gewöhnen. Darum wehen immer wieder Schwaden von Deodorant herüber, mit denen die Sortierer*innen die grössten Spitzen der Geruchs-Schwankungen mildern. Sie nehmen es mit Humor und berichten lieber über die absurden Dinge, die sie in den Bags bereits gefunden und zur Seite gelegt haben, anstatt sich zu beklagen. So fläzen sie in der Pause auf brandneuen Campingstühlen, hören Radio aus einer herausgefischten Boombox und haben einen gefundenen Buddha zu ihrem Schutzpatron erkoren.



Was bei unserem Besuch alles über das Band rollt, gibt einen interessanten Einblick in das Leben unserer Kund*innen. Leider schleichen sich auch immer wieder Gegenstände zwischen die Wertstoffe, die eigentlich in Kompost oder Güselsack gehören und so die Arbeit unnötig erschweren.

Wir verlassen die bunter Truppe wieder. Was bleibt, ist die Begeisterung für die neue Anlage und der grosse Respekt für die Sortierer*innen, die sich vom Resultat der Entsorgungsfehltritte und Wegwerfabsurditäten kaum beeindrucken lassen. Wahre Recycling-Held*innen eben.

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