Spätestens seit dem Schweizer Spiel gegen Frankreich hat das EM-Fieber so richtig um sich gegriffen und Fussball ist überall. Für die Spieler*innen des FC Winterthur Brühlgut ist Fussball jede Woche grosses Thema, denn sie sind Profis. Klar, die Jungs, die für den FC Winterthur spielen und gerade auf der anderen Seite des Zauns trainieren, sind so richtige Profis, ohne Job nebenbei. Doch der FC Winterthur Brühlgut ist an den grossen FCW angegliedert und das Training findet nicht irgendwann am Abend oder in der Freizeit statt. Trainingsanpfiff ist Punkt 16 Uhr, während alle anderen noch bei der Arbeit sind. Und sobald trainieren zu Arbeitszeit gehört, ist man Profi. So einfach ist das. 

Wir haben die Spieler*innen des FCW-Brühlgut im Training besucht. Denn die Brühlgut Stiftung ist unsere Partnerin für den Recycling-Service in der Region Winterthur. Zudem sind einige der Spieler tagsüber für Mr. Green im Einsatz und wir sind seit Jahren stolzer Trikotsponsor des FCWB. Es ist nun also kurz vor 16 Uhr an einem Montagnachmittag, die Sonne brennt auf den Kunstrasen und alle freuen sich bereits auf das wichtige EM-Spiel am Abend, wenn die Schweiz im Achtelfinal auf das grosse Frankreich treffen wird. Lange waren die Trainings auf der Schützenwiese virustechnisch nicht möglich, darum sind alle umso mehr motiviert, geht es endlich wieder los. 

Trainieren für grosse Spiele

Pünktlich ruft Trainer Jonas Boller die Spieler*innen zusammen und bespricht mit ihnen das Training. Doch lange wird nicht parliert, eine Stunde ist schnell vorbei und alle freuen sich auf den kleinen Trainingsmatch zum Schluss. Nach einer Aufwärm- und Dehnrunde im grossen Kreis geht es weiter mit Passübungen und dem beliebten Schusstraining aufs Tor. Die Stimmung ist gut, es wird gerannt, gelacht und geschwitzt.



Der FCW-Brühlgut ist momentan kein Teil einer Liga, auch sonst sind noch keine Ernstkämpfe geplant. Doch die Spieler*innen sind grosse Matches gewohnt. Anlässlich der 125-Jahr-Feierlichkeiten des FC Basel durften sie vor dem grossen Spiel des FCB gegen den VfB Stuttgart auf dem Rasen des gigantischen Joggeli-Stadions, ganz im Stile einer Vorband, den grossen Abend eröffnen. Im Spiel gegen das DreamTeam des FCB lief der FCWB zu Höchstform auf und bodigte die Basler mit 2:0. Solche Spiele bleiben lange in guter Erinnerung. Auch wenn nach der langen Corona bedingten Pause noch nicht alle in Höchstform sind, können es die Spieler*innen kaum erwarten, wieder gross aufzulaufen. 

Der Sportchef

Während das Training in vollem Gange ist, kommt Michael Loetscher angeradelt, der Sportchef. Er begrüsst alle mit Handschlag und auf die Frage, was denn nun genau seine Funktion sei, formt ein Spieler mit der Hand ein Schnabel, der auf und zu geht. Michael ist der Werkstattleiter in der Brühlgut Stiftung und damit mit seinem Team unser Auftragnehmer in Sachen Wertstoff-Management im Raum Winterthur. Er ist beschwingt von seiner Arbeit und leidenschaftlicher Erzähler, der seine Gesprächspartner mitreisst und begeistert. So mitreissend, dass wir wegen des angeregten Gesprächs beinahe den Anpfiff des Trainingsspiels verpassen. Der Spieler hatte mit seiner scherzhaften Charakterisierung von Michael Loetscher also nicht ganz unrecht.
 

Fussballkultur

Neben all den Aufträgen, die Loetscher für die Stiftung und seine Abteilung an Land zieht, ist einer besonders mit dem FCW-Brühlgut verbunden. Im Auftrag des Vereins Fussballkultur betreibt das Team ein Abwaschmobil für den Fussballschuppen in Winterthur-Töss, ein Ort an dem alle EM-Spiele gezeigt werden. Während den Spieltagen sorgen die Spieler*innen für sauberes Geschirr und können zusätzlich Spenden für den FCWB sammeln. Denn Fabrizio, der Spendenchef fragt an der Abwaschstation jeden Gast charmant, ob er denn die fünf Franken Depot auf dem Bierhumpen auch wirklich zurück wolle, oder doch lieber dem Club spenden möchte. Wir schaffen es mit Mühe und Not, nicht schon in der ersten Runde ebendiesem Charme zu erliegen, beim zweiten Mal sind wir hoffnungslos verloren.



Die Spieler*innen sind fester Bestandteil im Betrieb des Fussballschuppens, ohne ihre Arbeit würde der Laden nicht laufen. Das ist ihnen bewusst und sie sprechen mit Stolz darüber. Denn auch wenn an den Spieltagen nicht jede*r Teil der Startformation sein kann, im Leben und bei der Arbeit haben sie alle einen Stammplatz. 

Die Stimmen nach dem Spiel

Mittlerweile ist auf dem Platz ein intensives Trainings-Spiel im Gange. In der Pause bekommen wir erste Statements, dann geht es bereits weiter. Die zweite Hälfte ist emotional und intensiv. Doch nach dem Schlusspfiff wird kollegial abgeklatscht und gewitzelt. Alle freuen sich auf den grossen Abend im Fussballschuppen. Bevor sie unter die Dusche verschwinden, wollen wir von den Profis noch wissen, wie das Trainingsspiel gelaufen ist. 

Andrea, Mittelfeld

Was hast du dir vorgenommen für die zweite Halbzeit?
Ja, mal schauen. Hoffentlich können wir ausgleichen.
Ihr sprintet einem Rückstand hinterher?
Jaa, das ist so, wir sind im Hintertreffen. Aber wir werden nach vorne kommen. 
Wie wird das gelingen?
Mit Doppelpässen. Schnelle Pässe und Doppelpässe. 


Daniel, rechtes Mittelfeld

Daniel, du hast gerade eben ein Tor geschossen. Kannst du die Zuschauer kurz mitnehmen, wie es zustande kam? 
Ich bin schön frei gestanden, dann die rechte Ecke. Einfach schön in die rechte Ecke rein. 
Wie gefällt dir Mr. Green als Trikotsponsor?
Sehr gut!
Wie läuft das Spiel?
Gut, aber wir haben erst Halbzeit.

Dwain, Stürmer

Wie war das letzte Spiel?
Eigentlich super. Defensiv war nicht immer super und vorne habe ich meine Chancen nicht rein gemacht. Es hat einfach nicht so recht gewollt: Latte, Pfosten, Latte, aber grundsätzlich war es ein gutes Spiel, vor allem in der zweiten Hälfte. Auch defensiv. Super engagiert alle zusammen. Leider ohne Torerfolg für mich aber das ist nicht so schlimm. Hauptsache wir haben gewonnen.
Wie schaust du auf das nächste Spiel?
Positiv. Ich denke, wir haben eine super Mannschaft und mit dieser Mannschaft ist vieles möglich. Wir haben schon viele Ziele erreicht, doch wir wollen noch höher hinaus. Wir hoffen auf das Beste und darauf, dass wir bald wieder Turniere spielen und Titel sammeln können.
Ihr habt schon gegen Basel gespielt, was wäre der nächste logische Schritt?
Ich als Bayern-Fan würde unglaublich gerne mal in der Alianzarena auflaufen. Aber Liverpool wäre auch der Hammer. 
Das nächste Ziel ist also, den FC Bayern München platt zu machen.
Ja, eigentlich schon!

Stefan, Stürmer/Knipser

Stefan, du hast heute ein Doppelpack geschossen, eine riesige Leistung. Wie fühlt sich das an?
Sehr gut! 
Wie hast du gejubelt?
Einmal so (formt mit den Fingern ein Herz) und einmal normal.
Wie jubelt man normal?
Einfach ein normaler Teamkameraden-Jubel. 
Bist du bereit für das nächste Spiel?
Ja, immer!
Wann ist der nächste Ernstkampf?
Das weiss man noch nicht. Da müssen wir mal unseren Trainer fragen, wann es das nächste Spiel gibt. Da haben sie wohl noch nicht so weit geplant. 
Das heisst, der Plan ist, weiterhin gut zu arbeiten, egal was kommt?
Ja, genau!


Fabrizio, Sturm oder Verteidigung / Spendenchef

Du bist der Spendenchef vom FC Winterthur Brühlgut. Kannst du mir einen Trick verraten, wie man am erfolgreichsten Spenden sammelt?
Ich frage sie ganz einfach: Willst du spenden oder fünf Franken?
Und dann lächelst du und die Sache ist geritzt?
Genau.
Du bist im Moment verletzt, auf welcher Position spielst du normalerweise?
Entweder Stürmer oder Verteidiger.
Du bist sehr Vielseitig einsetzbar?
Ja, genau.

Niki, Stürmer

Wie war das Spiel?
Schön, echt schön gewesen!
Bist du eher ein wenig hinten drin gestanden?
Ja, mit meinem Bruder Stefan.
Ich sehe, andere sind mehr verschwitzt als du, war das eher ein gemütlicher Match?
Ja, war ein gemütlicher Match für mich. Ich war Stürmer und bin gerne Stürmer.
Gestern habe ich Romelo Lukaku beobachtet, der ist auch Stürmer. Er hat deutlich mehr geschwitzt . Schwitzt Lukaku einfach stärker, oder ist er vielleicht mehr gerannt als du? 
Oh, also wenn ich das wüsste – ich glaube nein. Ich bin ja heute für die Schweiz und wenn sie einmal ein Tor schiessen, dann machen sie sechs Goals. 
Du meinst, das erste muss rein, dann kommen sechs nach?
Genau!

…Wie recht Niki doch hatte.

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