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Um die Welt in Kreisläufen zu denken, braucht es den Blick auf das grosse Ganze. Das zeigt sich auch am Recycling von Getränkekartons oder besser gesagt daran, wie es harzt mit der Wiederverwertung. Bestimmt, wir recyceln sie seit eh und je in Zusammenarbeit mit dem Verein Getränkekarton-Recycling. Der Verein engagiert sich zusammen mit seinen Unterstützer*innen schon seit über 12 Jahren dafür, dass die „Milchguggen“ recycelt und nicht nur verbrannt werden. 

Doch das ist gar nicht so einfach: Im Unterschied zu PET gehen die Meinungen in der Schweiz auseinander, wie sinnvoll das Recycling von GK sei. Wobei, mit Blick auf unsere Nachbarländer stellen wir fest, dass sich der Sinn des Getränkekarton-Recycling und das Verständnis seines Umweltnutzens längst durchgesetzt haben. Wieso also hat sich diese Einsicht im vermeintlichen Recyclingland Schweiz noch nicht durchgesetzt?

Der Getränkekarton 

Damit aus einem Karton getrunken werden kann, muss er wasserfest ummantelt werden, da er sich sonst im Nu aufweichen würde. So werden drei Materialien in mehreren Lagen, ganz ohne Klebestoff zusammengefügt: Wie in einem Sandwich werden Karton, hauchdünnes Alu und Polyethylen übereinander gelegt. Sind die Lagen zusammengepresst, gefaltet und versiegelt, kann jede Flüssigkeit ohne Qualitätsverlust darin verpackt werden.

In einem solchen Getränkekarton stecken rund 75% Karton, 20% Polyethylen und 5% Aluminium – alles Stoffe, die nach Gebrauch des GK problemlos recycelt werden könnten. Weil die verschiedenen Schichten nicht miteinander verklebt sind, trennt man die Kartonfasern in einem rein physikalischen Prozess vom Rest. Das heisst, die GK werden zerkleinert und zusammen mit Wasser trennt eine gigantische Trommel, ähnlich der einer Waschmaschine, die Kartonfasern von Polyethylen und Aluminium. Danach werden die Kartonfasern z.B. zu Wellkarton weiterverarbeitet. Aluminium und Polyethylen werden heute noch zur Wärmeerzeugung, meist in Zementwerken, verbrannt. 

Ein Verein springt ein

Hätten sich Schweizer Ableger der Unternehmen Tetra Pak, SIG Combibloc und Elopak nicht vor gut 12 Jahren zu einem Verein zusammengetan, wären wir noch immer in der Recycling-Steinzeit, was GK anbelangt. Ziel des Vereins ist es, eine funktionierende Sammel- und Recyclinginfrastruktur auf die Beine zu stellen. Denn jährlich kommen rund 20’000 Tonnen GK auf den Schweizer Markt, das entspricht etwa 15’000 Tonnen recyclingfähigem Karton. Dieser zerfällt heute zu Asche, statt in Form von wiederverwertetem Karton, beispielsweise unsere Onlinebestellungen sicher zu uns nach Hause zu transportieren.

 

Da stellt sich die Frage, wieso sich das Recycling nicht durchsetzt? Denn der Umweltnutzen von recycelten gegenüber verbrannten GK liegt bei rund 40%. Wird ein GK also recycelt, reduziert sich seine Umweltbelastung gesamtheitlich betrachtet um beinahe die Hälfte. Dazu könnte mit konsequentem Recycling Wald einer Fläche von 11’000 Fussballfeldern eingespart werden. Das entspricht einem Gehölz, so gross wie die Stadtgebiete von Bern und Basel zusammen, dessen Holz für andere Produkte zur Anwendungen kommen könnte.

Die vorgezogene Recyclinggebühr als Lösung

Der Grund, wieso die Wiederverwertung von PET und ALU so reibungslos läuft, ist der vorgezogene Recyclingbeitrag: Auf Alu-Dosen werden ganz einfach genau so viele Rappen draufgeschlagen, wie sammeln und recyceln der Dose im Endeffekt kosten. Die Konsument*in und die produzierenden Unternehmen teilen den Betrag unter sich auf und stellen so sicher, dass die Wiederverwertung vor dem ersten Schluck finanziell gesichert ist.

Damit das bei GK auch geschieht, wäre eine parlamentarisch beschlossene Regelung, wie z.B. bei Elektrogeräten, am effizientesten: Auf Basis einer gesetzlichen Grundlage würden so für alle dieselben verbindlichen Regeln gelten. Bis jetzt ist es leider weder unter den Branchenvertretern aus Produzenten, Gebinde-Herstellern und Detailhändlern zu einer Lösung gekommen, noch auf politischer Ebene. 

Die Probleme dauern an

Das ist darauf zurückzuführen, dass in den Augen einiger an der Diskussion Beteiligter bei den Getränkekartons kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Es handle sich doch zum grossen Teil um eine nachwachsende Ressource, die da verbrannt werde, so die Begründung. Auch fehlt bei einigen Beteiligten der eingangs angesprochene Blick für das grosse Ganze: So wird oft das Lamento der Kostenfrage angestimmt, dessen Argumentation noch sehr stark auf ein lineares Wirtschaftsmodell ausgelegt ist. Das führt dazu, dass gewisse Lösungen als nicht profitabel eingestuft werden, obwohl sie gesamtheitlich betrachtet einen ökonomischen und ökologischen Mehrwert brächten.

Recycling der weiten Wege

Seit 12 Jahren engagiert sich der Verein zusammen mit Partnern wie Mr. Green und überzeugten Sammelenthusiasten dafür, dass motivierte Recycler*innen GK schon heute in den Wertstoffkreislauf zurückführen können. Bis im August 2020 fand die Verwertung der schweizweit gesammelten GK in eine speziell dafür konzipierten Anlage bei der Model AG statt. Diese musste aus verschiedenen Gründen zwischenzeitlich stillgelegt werden.

Daher werden alle in der Schweiz zu Zwecken des Recyclings gesammelten Getränkekartons ins grenznahe Ausland gebracht, wo sie fachgerecht wiederverwertet werden. Umwelttechnisch ergibt das durchaus Sinn, denn auch mit den zusätzlichen Emissionen des Transportes lohnt sich das Recycling noch eindeutig. 

Die gute Nachricht zum Schluss

Mit der Entwicklung einer innovativen Anlage ist es dem deutschen Unternehmen Palurec GmbH  gelungen, die beim GKR sonst verlorenen Stoffe Aluminium und Polyethylen von einander zu trennen. So müssen diese nicht mehr verbrannt werden, sondern können ebenfalls recycelt werden. Bleibt zu hoffen, dass bald Schwung in die Angelegenheit kommt und wir auch in der Schweiz künftig flächendeckend GK sammeln und ganzheitlich recyceln können.

Bis dahin können Sie weiterhin GK bequem im Mr. Green Bag recyceln, Unterstützer*in beim Verein GKR werden, sich privat in Ihrer Gemeinde für eine Sammlung engagieren oder Politiker*innen wählen, denen Recycling am Herzen liegt.

Weiterführende Links:
Verein Getränkekarton-Recycling
Unterstützer*in werden
Palurec
Getränkekarton-Sammelstellen

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